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Heute am 24. April findet wie zu jeder ÖH Wahl eine Podiumsdiskussion der katholischen Studentenverbindung Austro Danubia (A.D.) in ihrer Bude statt. Wie auch schon vor zwei Jahren wird die GRAS auch dieses mal wieder - leider als einzige Fraktion - darauf verzichten daran teilzunehmen, nicht aus Tradition, sondern aus tiefer Überzeugung. Manch eine*r wird sich fragen, warum wir während einer Wahlauseinandersetzung nicht zu einer Podiumsdiskussion gehen wollen, deshalb wollen wir hier die Gründe kurz zusammenfassen:
Gerne stellt sich die A.D. wie auch die meisten anderen der insgesamt 49 sogenannten Korporationen des Österreichischen Cartellverbands (ÖCV) als nichts anderes als ein Fussballverein dar. Sie seien doch unpolitisch, würden halt ihre Werte pflegen, die da wären Religion (Bekenntnis zum römisch-katholischen Glauben), Patria (Bekenntnis zum demokratischen Österreich), Scientia (Streben nach Wissen) und Amicitia (Lebensfreundschaft). Klingt vielleicht etwas altbacken, aber doch alles nicht so schlimm, oder?
Eben doch! CV-Verbindungen sind eben nicht nur Freundeskreise von Kommilitonen die etwas zu viel Bier trinken, lustige Gewänder tragen und gemeinsam in die Kirche gehen. Der ÖCV hat österreichweit - laut Eigenangabe - 12500 Mitglieder, die gut vernetzt in Wirtschaft, Politik und eben auch Wissenschaft sind und dort hohe Positionen besetzen. Nach dem Lebensbundprinzip (Amicitia) bleiben Mitglieder ein Leben lang dabei und sind verpflichtet ihren Verbindungsbrüdern zu helfen. In der Realität heißt das, dass sich die CVler gegenseitig Posten zuschanzen unabhängig von eventuell ausreichender Qualifikation oder eben Inkompetenz. Bis auf Sebastian Kurz sind aktuell beispielsweise alle männlichen Mitglieder der ÖVP Regierungsriege beim Cartellverband. Männliche Mitglieder deswegen, weil in fast alle Verbindungen auch gilt: Men only. Somit hat also auch die gläserne Decke, die Frauen vorfinden wenn sie hohe Positionen bekleiden wollen, einen nicht unwesentlichen Zusammenhang mit den sexistischen Seilschaften des ÖCV. Die Burschen selbst reden sich zwar gerne auf die Handvoll Mädchenverbindungen hinaus, diese sind aber nicht nur zahlenmäßig weit unterlegen, sondern werden vom ÖCV auch als Verbindungen zweiter Klasse betrachtet. Nach dem katholisch-konservativen Weltbild sollten Frauen ja auch lieber am Herd und bei den Kindern bleiben.
Außerdem bleibt auch bei Mädchenverbindungen noch immer ein weiterer Kritikpunkt übrig: der Autoritarismus und der damit verbundene strukturelle Konservativismus. Das Aufnahmeritual in einer Korporation beginnt mit dem Fuchsenstatus. Man ist sozusagen der Wasserträger für die anderen in der Verbindung, muss auf Kommando sputen und sich wöchentlich dem Fuchsenunterricht unterziehen. Dort werden die Geschichte und die Rituale der Verbindung - oder zumindest die eigene Version davon (siehe Austrofaschismus) - so lange in die Köpfe der Fuchsen eingetrichtert, bis es nur mehr die eine wahre Version gibt. Gemessen werden kann der Grad der Indoktrination an den gesammelten Bierminuten, also wie lang man es schafft ohne aufs Klo zu gehen beim Saufen dabei zu sein. Nicht nur bleibt dadurch die Tradition unhinterfragt erhalten - eben konserviert - sondern die andauernde Demütigung und Unterwürfigkeit lässt die Fuchsen nach der vollzogenen Burschung dann auch mit derselben Vehemenz auf die neuen Fuchsen lostreten. Die Fahrradmentalität ist komplett, nach oben buckeln, nach unten treten. Aus emanzipatorischer Perspektive bleibt einem schon allein deswegen nichts anderes übrig als den CV-Verbindungen die Selbstabschaffung nahezulegen.
Wir, die GRAS, sind jedenfalls der Meinung, dass wir eine derartige Organisaton wie die Austro Danubia nicht dabei unterstützen wollen sich mit ihrer Podiumsdiskussion zu profilieren und hoffen, dass unserem Beispiel in Zukunft auch andere Fraktionen folgen werden, damit wir diese Relikte aus dem 19. Jahrhundert endlich aus der Mitte der Gesellschaft entfernen können. Von der Aktionsgemeinschaft ist das naturgemäß zwar nicht zu erwarten, da sie sich ja selbst aus vielen Mitgliedern des CV rekrutiert und auch vom RFS erwarten wir wenig emanzipatorisches Engagement, aber dann sollen halt die miteinandern diskutieren.
Wer sich genauer über den ÖCV informieren will, die Bundesvertretung der ÖH hat gerade erst eine umfangreiche und sehr lesenswerte Broschure zum Thema verfasst, gratis downloadbar unter: http://bit.ly/10aBEzW |