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Offener Brief der GRAS Linz an das Rektorat der JKU Linz PDF Drucken E-Mail
Montag, den 23. Januar 2012 um 20:53 Uhr

Sehr geehrtes Rektorat der Johannes Kepler Universität Linz !

Wie Sie wissen findet am 11. Februar 2012 der jährliche Ball der deutschnationalen Burschenschaften - der "Burschenbundball" - im Palais Kaufmännischer Verein statt. Dieser Ball dient den rechtsextremen Studenten- und Mittelschulverbindungen als Anker und Schnittstelle in die gesellschaftliche Mitte und in die Wirtschaft und wird neben Landeshauptmann Josef Pühringer auch von Ihnen, dem Rektorat der Johannes Kepler Universität Linz, in Person von Vizerektor Friedrich Roithmayr mit Festreden eröffnet und damit legitimiert. Da Sie nicht auf unsere dringende Bitte, sich mit den Inhalten der andem Ball beteiligten Männerbünde aus einanderzusetzen und eine Distanzierung vorzunehmen, eingehen wollten, legen wir Ihnen gerne als GRAS Linz und als Antifaschist_innen diese Hintergründe dar.

 

Der Linzer "Burschenbundball" gehört nach dem WKR Ball in der Wiener Hofburg zu den größten Veranstaltungender deutschnationalen Männerbünde in Österreich. Darunter fallen Burschenschaften, Corps, Sängerschaften, Landsmannschaften und die pennalen Mitteschulverbindungen. Ihre politische Ausrichtung umfasst unter anderem den gesellschaftlichen Ausschluss von Frauen, Angriffe gegen nicht heterosexuell lebende Menschen, ein starkes Bekenntnis zu Deutschnationalismus, Antisemitismus und Rassismus, insbesondere antimuslimischer Rassismus. Wie auch in anderen Männerbünden geht es neben der Verbreitung von Ideologie auch um das Bilden von Seilschaften in Politik und Wirtschaft. Wodurch öffentlichen Veranstaltungen wie beispielsweise dem Burschenbundball, aber auch dem CV-Ball als Orte der Vernetzung besondere Bedeutung zukommt.

Viele dieser Verbindungen schrecken auch vor einer offenen Relativierung des Nationalsozialismusund der Shoah nicht zurück. Ein Beispiel dafür ist die an der Uni Linz aktive schlagende Burschenschaft Arminia Czernowitz. Vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands eindeutig als rechtsextrem eingestuft, zeigt diese immer wieder unverhohlen ihr Naheverhältnis zu nationalsozialistischem Gedankengut. Erst im letzten Jahr luden sie zu einem Vortrag von Richard Melisch, einem selbsternannten Globalisierungsexperten, nach Linz ein. Richard Melisch ist bekennender Antisemitmit guten Kontakten zur rechtsextremen Szene und spricht auch gerne auf Veranstaltungen der deutschen und österreichischen Neonaziszene. Als Bewerbungssujet wurde damals als bewusste Provokation ein Propagandaplakat der NSDAP kopiert. Auch nach Bekanntwerden dieser Tatsachen gab es keinerlei Distanzierung.

Gerade in Anbetracht der Geschichte der Stadt Linz und des Staates Österreich und seiner Rolle im Nationalsozialismus ist es geradezu zynisch und menschenverachtend ,dass derartige Organisationen und Veranstaltungen in einem so prestigeträchtigen Haus feiern und dafür Ehrenschutz genießen. Dem nicht zu widersprechen oder das aktiv zu fördern ,finden wir untragbar, denn damit wird nicht nur den handelnden Personen, sondern auch deren Ideen Vorschub geleistet. Die GRAS Linz spricht sich entschieden gegen jede Art der Unterstützungvon männerbündlerischen Seilschaften und jeglichen faschistischen Ideologien aus. Deshalb fordern wir Sie hiermit eindrücklich, auf sich vom "Burschenbundball" und seinen Veranstaltern klar zu distanzieren und die Teilnahme daran abzusagen. Außerdem laden wir Sie herzlich zum Vortrag von Heribert Schiedel am 26. Jänner um 19:00 im HS 4 ein, der als Experte zum Thema dieHintergründe beleuchten wird.

Mit freundlichen aber bestimmten Grüßen

Die Aktivist_innen der Grünen und Alternativen Student_innen Linz

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