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Unsere antirassistische Veranstaltungsreihe unter dem Titel NOBORDER NO NATION soll die Präsenz von Rassismus in unsererGesellschaft aufzeigen - da diese des Öfteren relativiert wird -und einen theoretischen Einblick in die Herrschaftspraxis, Ideo-logie und Struktur von Rassismus geben.
Der Workshop zu Beginn der Veranstaltungsreihe soll zunächstdie theoretische Annäherung an den Themenkomplex Rassismusermöglichen und antirassistische Handlungsmöglichkeiten aufzei-gen. Anhand von aktuellen Beispielen, in den Filmen Bock for Pre-sident und Operation Spring, soll darauf aufbauend die rassistischePraxis der Gegenwart veranschaulicht und die praktische Handlungsmöglichkeiten dagegen skizziert werden.
BASIC-WORKSHOP ZU RASSISMUS - DI., 13.11. 15:30 K 224 B
kritisch-theoretische Erfassung und praktische Bekämpfung (Heribert Schiedel)
Rassismus ist Herrschaftspraxis, Ideologie und Struktur in einem.Gemeinsam mit seiner historischen Wandelbarkeit verbietet es diese Mehrdimensionalität, von dem Rassismus zu sprechen. Vielmehr haben wir es mit verschieden Rassismen zu tun. Diese sind von anderen Formen kollektiver Feindschaft, Abwertung und Diskriminierung wie Antisemitismus oder Sexismus abzugrenzen – und gleichzeitig in ein Verhältnis zu setzen. Entgegen seiner Vielgestaltigkeit wird Rassismus vielerorts in der Linken immer noch ganz „materialistisch“ auf seine Funktionalität für die (Kapital-)Herrschaft reduziert. Das Volk im Schafspelz wird bestenfalls als Objekt groß angelegter Täuschungs- und Spaltungsmanöver betrachtet. Wenigen kommt es in den Sinn, dass es neben dem ökonomischen so etwas wie einen psychischen Gewinn am Rassismus gibt. Bis heute lebt dieses Erbe inTeilen der antirassistischen Bewegung, welche nur den institutionel-len Rassismus ins Visier nimmt und über den Bewegungsrassismus weitgehend schweigt, fort. Daneben grassiert ein (differentialistischer und multikulturalistischer) Antirassismus, der Rassismus als konflikthafte Begegnung mit essentialistisch gefassten „fremden Kulturen“ missversteht und mittels Aufklärung über die „Fremden“ zum friedlichen Zusammenleben mit diesen kommen will. Dem-gegenüber steht die kritische Erkenntnis, dass jeder Rassismus ur-sächlich nichts mit seinen Objekten und viel mit seinen Subjekten zu tun hat. An dieser Erkenntnis wäre jede antirassistische Praxiszu messen. Ein Einführungsworkshop zur Geschichte und kritischen Theorie der verschiedenen Rassismen – vom kolonialen bis zum kulturalistischen, vom strukturellen zum individuellen – und wie diese (nicht) zu bekämpfen wären.
Quelle: Heribert Schiedel
FILM „BOCK FOR PRESIDENT“ - DI., 20.11. 19:00 HS 2
AT, 2010, 90 min, OdF, R: Houchang Allahyari, Tom-Dariusch Allahyari
Die ehemalige Erzieherin Ute Bock ist durch ihren Einsatz für Flüchtlinge mit ihrem Verein „Ute Bock“ zu einer bekannten öffentlichen Figur geworden. Im Vereinslokal im zweiten Bezirk können sich Bedürftige Lebensmittel abholen, eine kostenlose Rechtsberatung in Anspruch nehmen oder den Postservice, der für Obdachlose angeboten wird, nutzen. Täglich suchen verzweifelt Menschen eine Unterkunft, denn ohne Arbeitsmöglichkeit und Einkommen in Österreich sind sie auf Hilfsleistungen von Vereinen wie dem von Ute Bock angewiesen . Der Mensch hinter dem Verein bietet allerdings zahlreiche Überraschungen. Zwei Jahre lang begleiteten die Regisseure die Wiener Flüchtlingshelferin bei ihrer Arbeit und privat mit der Kamera. Das Ergebnis ist eine sehr intime Annäherung an diese ungewöhnliche Frau mit all ihren Widersprüchen und ihrem Alltag in dem die Tragik der Flüchtlingsschicksale Normalität ist. Der Film „Bock for President“ gibt sich jedoch nicht der Trostlosigkeit der Situation hin, sondern zeigt dass es durchaus möglich ist „etwas zu ändern“ und sich zu engagieren.
Quelle: www.bockforpresident.at
FILM „OPERATION SPRING“ UND DISKUSSION MIT DEN REGISSEUR_INNEN - DI., 11.12. 18:00 HS 2
AT, 2005, 92 min, OdF, R: Angelika Schuster, Tristan Sindelgruber
Im Morgengrauen des 27. Mai 1999 stürmen 850 Polizist_innen Wohnungen und Flüchtlingsheime in ganz Österreich. Der Codename der Polizeiaktion ist „Operation Spring“, es ist die größte kriminalpolizeiliche Aktion seit 1945. Insgesamt werden an die 100 Afrikaner*innen verhaftet. Die Medien berichten von einem noch nie dagewesenen Erfolg der Polizei im Kampf gegen die „Organisierte Kriminalität“. Mit Hilfe des ersten Großen Lauschangriffs sei es gelungen, die Bosse eines international agierenden „Nigerianischen Drogenrings“ festzunehmen. Die Polizeiaktion kann als Testlauf für neue Ermittlungsmethoden und Gesetze wie den Großen Lauschangriff und den Einsatz anonymer komplett vermummter Zeug_innen der Anklage vor Gericht gesehen werden. In den folgenden Jahren entwickelt sich daraus das größte Justizverfahren gegen Afrikaner*innen in Österreich. Fast alle Angeklagten werden verurteilt. Das gesamte Strafausmaß beträgt mehrere hundert Jahre Haft. Durch den Präzedenzfall „Operation Spring“ hielten umstrittene Ermittlungsmethoden und eine neue Interpretation von Gesetzen Einzug in das österreichische Rechtssystem, die eine Vielzahl an Fragen aufwerfen: Wie etwa kann mensch sich gegen belastende Aussagen einer_s Zeugin_en der Anklage wehren, deren_dessen Identität geheimgehalten wird, die_der vor Gericht komplett vermummt auftritt und während der Zeug_innenaussage mensch den Gerichtssaal verlassen muss? Oder gegen den Vorwurf, an einem „unbekannten Ort“ eine „nicht mehr feststellbare Menge an Heroin und Kokain, aber zumindest so und so viel Gramm oder Kilogramm“ an eine_n „unbekannte Endabnehmer_in“ verkauft zu haben? Die Frage, welcher Wert demokratischen Grundrechten eingeräumt wird, wenn Personen, die einer Minderheit angehören verdächtigt werden, Mitglieder der organisierten Kriminalität zu sein, ist von großer Aktualität. Mit dem Film OPERATION SPRING wollen die Regisseur_innen anhand eines konkreten Beispiels einen Beitrag zur zeitlosen Debatte um grundlegende Menschenrechte leisten, der über die österreichischen Grenzen hinausreicht und den universellen Charakter dieses Themas zeigt.
Quelle: www.operation-spring.com
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